Das Testament

Testamentsarten

Erbrecht Testament

Ordentliches Testament/Nottestament

Grundsätzlich wird das Testament als sogenanntes ordentliches Testament errichtet – entweder eigenhändig oder als notarielles Testament vor einem Notar.

Im wenigen Ausnahmefällen kann auch ein Nottestament als außerordentliches Testament – ohne Notar – errichtet werden. Das Testament wird dann durch mündliche Erklärung gegenäber drei Zeugen oder gegenüber dem Bürgermeister der Gemeinde erstellt. Ein solches Testament verliert aber drei Monate nach der Errichtung seine Gültigkeit, wenn der Erblasser noch lebt.

Eigenhändiges Testament

Die wohl am weitesten verbreitete Form der gewillkürten Erbfolge ist das sogenannte eigenhändige Testament. In einem eigenhändigen Testament regeln Sie allein die von Ihnen gewünschte Erbfolge. Ein eigenhändiges Testament ist bequem zu erstellen, Sie benötigen lediglich ein Stück Papier und einen Stift. Ein eigenhändiges Testament kann jederzeit geändert oder vernichtet werden. Es wird unwirksam durch Vernichtung, aber auch durch ein neueres Testament, das die Erbfolge anders regelt.

Nachteilig ist, dass ein eigenhändiges Testament immer der Gefahr der Fälschung, der Unauffindbarkeit oder des Verlustes unterliegt. Außerdem kann die spätere Auslegung eines eigenhändig erstellten Testaments schwierig sein, wenn die Anordnungen in dem Testament nicht eindeutig sind.

Diese Nachteile können verhindert werden, indem Sie sich bei der Erstellung des Testaments über dessen Inhalt fachkundig beraten lassen und das eigenhändige Testament nach der Errichtung beim zuständigen Amtsgericht in Verwahrung geben. Über die Verwahrung erhalten Sie eine Bescheinigung, im Todesfall wird das Amtsgericht entsprechend informiert.

Wir beraten Sie gerne über den Inhalt und die genaue Formulierung Ihres Testaments, damit es die beabsichtigten Regelungen zweifelsfrei enthält. Auch können wir dafür sorgen, dass Ihr Testament nach der Errichtung in amtliche Verwahrung gelangt.

Gemeinschaftliches Testament

Für Eheleute besteht die Möglichkeit, ein gemeinschaftliches Testament zu erstellen. Wird das gemeinschaftliche Testament eigenhändig errichtet, so genügt es, wenn einer der Ehegatten das gemeinschaftliche Testament handschriftlich verfasst und das Testament dann von beiden Eheleuten unterschrieben wird.

Von besonderem Interesse ist die Möglichkeit, dass die Eheleute in einem gemeinschaftlichen Testament ihre jeweiligen Anordnungen so miteinander verbinden, dass sie in ihrem Bestand voneinander abhängig sind. Widerruft später ein Ehepartner eine solche sogenannte wechselbezügliche Verfügung oder erweist sich diese als nichtig, so verliert auch die mit dieser verknüpfte Anordnung des anderen Ehepartners ihre Wirksamkeit.

Stirbt einer der Ehepartner, so kann der überlebende Ehepartner seine Anordnungen allerdings nur noch ändern, wenn sie in keinem Zusammenhang mit Anordnungen des verstorbenen Ehepartners stehen oder wenn dem überlebenden Ehepartner ausdrücklich die Möglichkeit eingeräumt wurde, das Testament auch nach dem Tod des anderen Ehepartners zu ändern.

Berliner Testament

In den meisten Fällen wird das gemeinschaftliche Testament als sogenanntes Berliner Testament errichtet: die Ehegatten bestimmen, dass ihr Vermögen im Falle des Ablebens des einen Ehepartners zunächst vollständig dem überlebenden Ehepartner zufallen soll. Erst nach dem Tod auch des zweiten Ehepartners wird das verbleibende Vermögen dann auf Dritte, meistens die Kinder, weiter übertragen.

Vor allem bei größeren Vermögen ist allerdings aus steuerlichen Gründen von einem reinen Berliner Testament abzuraten. Da nämlich durch ein Berliner Testamentes beim ersten Erbfall die Kinder als enterbt gelten, muss der überlebende Ehegatte den ihm zufallenden Nachlass in voller Höhe versteuern. Der auf die enterbten Kinder entfallende Freibetrag in Höhe von aktuell Euro 205.000,00 je Kind kann nicht steuermindernd angerechnet werden, sofern die Kinder auf die Geltendmachung des ihnen zustehenden Pflichtteils beim ersten Erbfall verzichten – wozu sie in vielen Fällen durch entsprechende Anordnungen im Testament („Verlangt nach dem Tod des Erstversterbenden von uns einer unserer Abkömmlinge gegen den Willen des überlebenden Ehegatten den Pflichtteil, so soll dieser Abkömmling und seine Kinder nach dem Tod des Längstlebenden von uns ebenfalls nur den Pflichtteil erhalten“) angehalten werden.

Wer trotzdem ein Berliner Testament errichtet will, sollte zumindest über entsprechende steuersparende Gestaltungsmöglichkeiten nachdenken, damit die Erbschaft nicht mit unnötigen Erbschaftssteuern belastet wird, für deren Begleichung eventuell nicht genügend Barmittel zur Verfügung stehen. Bereits die Anordnung von Vermächtnissen zugunsten der Kinder im ersten Erbfall kann die Steuerlast merklich reduzieren. Ggf. kann z. B. ein solches Vermächtnis zugunsten der Kinder auch mit einer Stundungsabrede kombiniert werden, damit der überlebende Ehegatte im Erbfall nicht sofort belastet wird.

Gegebenenfalls kann durch nachträglichen Abschluss rückwirkender Pflichtteilsvereinbarungen zwischen dem überlebenden Ehegatten und den Kindern auch Jahre nach einem Erbfall und bereits durch die Finanzbehörden abgeschlossener Besteuerung noch eine deutlich günstigere Besteuerung erreicht werden.

Notarielles Testament

Alternativ zum eigenhändigen Testament besteht auch die Möglichkeit, ein notarielles Testament – das sogenannte öffentliche Testament – zu errichten.

Dies geschieht, indem die gewünschten Testamentsanordnungen gegenüber einem Notar mündlich erklärt werden. Der Notar hält die Erklärungen schriftlich in einer Urkunde fest, die vorgelesen und danach von Ihnen und dem Notar unterschrieben wird.

Erbvertrag

Schließlich besteht die Möglichkeit, die Erbfolge durch einen sogenannten Erbvertrag – anstelle eines Testaments – zu regeln. Ein Erbvertrag muss von zwei Personen und vor einem Notar geschlossen werden.

Der Erbvertrag muss eine Erbeinsetzung oder die Anordnung eines Vermächtnisses oder einer Auflage enthalten. Erbverträge können entweder eine lediglich einseitige Verpflichtung für den Erblasser oder sogenannte wechselbezügliche Verfügungen des Erblassers auf der einen und des Begünstigten auf der anderen Seite enthalten.

Vorsicht: an die im Erbvertrag getroffenen Regelungen ist der Erblasser dann grundsätzlich gebunden: Anders als beim Testament kann er einen Erbvertrag grundsätzlich nicht mehr ändern, falls er sich nicht eine Abänderungsmöglichkeit im Erbvertrag vorbehalten hat. Frühere letztwillige Verfügungen werden durch den Abschluss eines Erbvertrages grundsätzlich aufgehoben.

Vor Abschluss eines Erbvertrages sollte daher gründlich geprüft werden, ob die beabsichtigten Regelungen nicht auch durch ein Testament herbeigeführt werden können.

Unser Rat

Zwar läßt sich ein Testament formal einfach errichten. Die inhaltliche Ausgestaltung und richtige Formulierung begegnen dagegen oft einer Vielzahl von Problemen, die zu berücksichtigen sind.

Wir besprechen mit Ihnen, was genau geregelt werden soll und schlagen Ihnen die für Sie sinnvollste Möglichkeit vor, Ihre letztwilligen Verfügungen zu treffen.

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Letzte Aktualisierung: 01.01.2019